Nach wie vor erfreuen sich unsere Weihnachtstage und die Silvesterfreizeit großer Beliebtheit. Einige Gäste verknüpfen auch beide Angebote miteinander, damit sich die Fahrt nach Elbingerode gleich doppelt lohnt. So sind die Angebote am Ende des Jahres und über den Jahreswechsel schnell ausgebucht, weil viele Gäste sich für das nächste Jahr anmelden. Frühe Anmeldungen sichern also einen Platz bei uns im Gästehaus.
„Die Atmosphäre in Ihrem Haus und das Programm haben mir gutgetan.“ „Die Bibelarbeiten haben mich sehr berührt und waren genau das Richtige für mich.“ „Vielen Dank für die gute Verpegung, ich habe mich sehr wohl gefühlt.“ „Es war alles gut organisiert und durchdacht.“ – so haben es einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer zurückgemeldet. Das freut uns natürlich sehr, bestätigt uns in unserer Arbeit und ermutigt uns, darin fortzufahren und weiterhin für Sie interessante und ansprechende Programme zu gestalten.
Alle Freizeiten, Seminare und Veranstaltungen nden Sie in unseren Jahresprospekten für Elbingerode und für Binz. Alle, die gern online nachschauen möchten, werden unser Jahresprogramm auf unserer Homepage zum Download nden. Wir freuen uns, wenn wir Sie bei einem unserer Angebote wiedersehen und begrüßen dürfen oder Sie Freunde auf die Veranstaltungen hinweisen.
Bauarbeiten im Haus Tanne
Sanitärbereich
Im Moment wird unser Sanitärbereich im Haus Tanne grundhaft erneuert und saniert. Zwischen Buchhandlung und Café miteinander entstehen neue WC-Anlagen für Herren und Damen, auch eine behindertengerechte Toilette wird dazukommen. Dies war schon lange geplant und kommt nun mit den aktuellen Arbeiten zu einem guten Abschluss. Wir freuen uns, zukünftig für Freizeit- und Seminargruppen sowie für Cafégäste modernen Standard in diesem Bereich anbieten zu können.
Neue Stühle für den großen Gruppen- und Seminarraum
Dieses Jahr werden wir im Frühjahr neue Stühle für unseren großen Gruppenraum im Haus Tanne anschaffen. Auch das ist nötig geworden, weil die bisherigen Stühle nicht mehr den heutigen Anforderungen entsprechen. Den verbesserten Sitzkomfort dürfen unsere Gäste bald zu spüren bekommen. Gern können Sie uns nanziell unterstützen und für das eine oder andere Projekt spenden. Jeder Betrag hilft uns. Auch Ihre Gebete sind uns wichtig. Dass Ihre Unterstützung dem Haus, den Diakonissen und Gästen zum Segen wird, haben wir bei den Reparaturarbeiten an unseremFahrstuhl im Mutterhaus gemerkt. Dafür danken wir allen Spendern und Betern noch einmal ganz herzlich. Es ist für uns immer wieder bewegend, zu sehen, wie viele Menschen unserem Haus in Treue verbunden sind und wie Gott alles zu einem guten Ende bringt.
Der 6. Januar – Epiphanias ist in Sachsen-Anhalt Feiertag. Also eine gute Gelegenheit zusammenzukommen und Gemeinschaft zu erleben. Am Vormittag trafen wir Diakonissen uns zum Abendmahl. Zuvor predigte Pastor Steeger über das Gotteswort aus dem Matthäus-Evangelium Kapitel 7,7: „Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr nden; klopfet an, so wird euch aufgetan.“ Es ist das Jahreswort der Schwesternschaft für 2026. U.a. sagte er, dass dieses Bibelwort beides ist, Zumutung und Zuspruch. Es ist eine Einladung zu einem Lebensstil, die Liebe Gottes im Miteinander einzuüben und in Gemeinschaft der bittenden Liebe zu leben. Das sind starke Aussagen und wir sind wohl das ganze Jahr über darin herausgefordert.
Aus der Diakonie-Gemeinde kam der Wunsch nach einem Dreikönigstreffen. Es wurden Gastgeber und Gäste gesucht, die sich an diesem Tag treffen, um gemeinsam zu essen, Zeit miteinander zu verbringen und sich besser kennenzulernen. Eine Schwesterngruppe aus dem 2. Stock des Mutterhauses war Gastgeber und lud eine Bewohnerin ein, die auf unserem Gelände wohnt, eine Frau und einen jungen Mann, die vor kurzem zur Gemeinde dazu gekommen sind. Alle erwartete eine liebevoll vorbereitete Kaffeetafel. Eine Schwester erklärte den Ursprung und Hintergrund des Festtages. Es gab einen regen Austausch und ein munteres Gespräch mit den drei geladenen Gästen. Nach einem erfüllten Nachmittag beendeten wir mit Gesang und Gebet die gemütliche Runde. Wir wünschen uns, dass solche Treffen wiederholt werden.
Kerstin Malycha, Oberin
Gemeinschaft, die gut tut
Am 6. Januar 2026 haben wir uns nicht zu einer politischen Veranstaltung versammelt – wie der Name vermuten lassen könnte, sondern vielmehr Zeit gehabt, uns als Gemeinde noch besser kennenzulernen. Zehn Gastgeber öffneten ihre Türen, um 15 Gäste willkommen zu heißen. Kaffeetrinken oder Abendessen, Gemeinschaft, Austausch und gemeinsames Singen sind ein paar wenige Stichpunkte, die die Begegnungen skizzieren. Ein paar Stimmen von denen, die an dem Abend dabei waren, fassen es so zusammen: Wertvoll, mit Leuten aus der Gemeinde zu sprechen, die man noch nicht so gut kannte; gute Gemeinschaft; leckeres Essen; schöne Runde; neue Perspektive füreinander…
Auch wenn der Vergleich bestimmt mutig ist, bin ich doch ein bisschen an die erste Gemeinde erinnert, wo es heißt: „Außerdem trafen sie sich täglich in ihren Häusern, ummiteinanderzu essen und das Mahl des Herrn zu feiern, und ihre Zusammenkünfte waren von überschwänglicher Freude und aufrichtiger Herzlichkeit geprägt.“ Apg.2,46
Na gut, mit dem täglichen Treffen ist noch Luft nach oben, aber Freude und Herzlichkeit waren bestimmt schon da! Mal sehen, wann die Wiederholung folgt… Vielleicht bist Du auch (wieder) mit dabei?
Dipl.-Med. Sabine Faber verabschiedet sich in den Ruhestand – Kontinuität in den Hausarztpraxen im Ärztehaus Oberharz gesichert
Nach rund 20 Jahren engagierter hausärztlicher Tätigkeit verabschiedete sich Dipl.-Med. Sabine Faber zum 31. Dezember 2025 in den wohlverdienten Ruhestand. Mit großem persönlichem Einsatz und fachlicher Kompetenz hat sie die hausärztliche Versorgung in der Region über viele Jahre hinweg entscheidendmitgeprägt.
Frau Faber war von Anfang an beim Aufbau des Ärztehauses Oberharz sowie beim Start des Medizinischen Zentrums Harz dabei und hat die hausärztliche Versorgung in der Region aktiv mitgestaltet. Ihr großes persönliches Engagement galt stets dem Wohl der Menschen vor Ort.
Die hausärztliche Betreuung bleibt weiterhin in vollem Umfang erhalten. Die Praxen werden auch künftig von erfahrenen Ärztinnen betreut. Frau Anne Folberth, Frau Stefanie Witteweg und Frau Saskia Auer-Scharun stehen den Patientinnen und Patienten weiterhin zuverlässig zur Seite und sorgen für eine kontinuierliche, moderne und wohnortnahe medizinische Versorgung im Ärztehaus Oberharz. Ein besonderes Anliegen von Frau Faber war zudem die Ausbildung des ärztlichen Nachwuchses. So begleitete sie Anne Folberth von Beginn an bis zur Fachärztin und sicherte damit die Nachfolge in der Praxis. Außerdem engagierte sichFrauFaberanden Universitäten Halle und Magdeburg und die Praxis wurde zur akademischen Lehrpraxis ernannt. Die Ausbildung von Studierenden vor Ort wird durch die neuen Kolleginnen weitergeführt.
Mit dem Eintritt von Frau Faber in den Ruhestand bleibt das Ärztehaus Oberharz somit gut aufgestellt. Die ärztliche Leitung des Ärztehauses wurde von Frau Auer-Scharun übernommen. Patientinnen und Patienten können sich auch weiterhin darauf verlassen, medizinisch gut versorgt zu sein.
Saskia Auer-Scharun
Fachärztin für Innere Medizin
Anne Folberth
Fachärztin für Allgemeinmedizin
Stefanie Witteweg
Fachärztin für Allgemeinmedizin
Mit dem Eintritt von Frau Faber in den Ruhestand bleibt das Ärztehaus Oberharz somit gut aufgestellt. Die ärztliche Leitung des Ärztehauses wurde von Frau Auer-Scharun übernommen. Patientinnen und Patienten können sich auch weiterhin darauf verlassen, medizinisch gut versorgtzusein.
Anfang Februar im Haus Königseck. Es ist wirklich still hier. Es ist ja auch niemand da – außer mir. Schwester Eva ist im Urlaub und ich bin der einzige Gast im Haus. Ich genieße die Stille, die Einsamkeit – Meerzeit einmal ganz anders. Ich habe Zeit zum Lesen, zum Beten, zum Nachdenken. Und dafür sind die Insel, dieses Haus wie geschaffen. Für mich ist es ein Ort der Begegnung mit Jesus.
Zweiter Tag meiner persönlichen Meerzeit. Herrlicher Sonnenschein, aber nachts knackig kalt – es müssen fast zehn Grad unter null gewesen sein. Ich nehme mir Zeit für einen Strandspaziergang und bin fasziniert: Die komplette Binzer Bucht ist zugefroren. Wie eine riesige, unendliche Eisäche liegt sie vor mir im Sonnenschein. Dort, wo ich im Sommer Freude an den Wellen und an der Gischt hatte, ist jetzt alles fest, nichts bewegt sich. Wie im wirklichen Leben: Manchmal scheint sich nichts zu bewegen. Und doch ist unter dem Eis Leben. Ich sehe es nur nicht.
So ist es auch im Haus Königseck. Wir beten und planen – und planen und beten. Und mancher hat den Eindruck: Da bewegt sich ja gar nichts. Die Pläne hören sich gut an, aber …
Aber jetzt fangen wir an
Unser Haus bleibt noch bis zum 30.09. für Gäste geöffnet – und dann geht es los: Wir bauen. Wir bauen für Sie. Dasist keine billige, vereinnahmende Werbung, sondern wirklich unser Anliegen. Wir möchten das Haus Königseck so herrichten, dass man auch dann bei uns Urlaub machen, die Ostsee genießen und Gott begegnen kann, wenn man nicht mehr ganz so gut zu Fuß ist. An der Stelle des bisherigen Schwesternhauses entsteht ein komplett neues Gebäude: mit einer neuen Küche, neuen Lagerräumen, einem Speisesaal, einem großen Konferenzraum sowie sechs Doppelzimmern und sieben Apartments, die Sie – so Gott will – ab Sommer 2028 nutzen können.
Es bewegt sich etwas. Wir bauen!
Manches bewegt sich noch nicht so, wie wir es erhoffen. Noch immer suchen wir Menschen, die ein neues Haus mit Leben füllen möchten. Menschen, die in neuen Räumen Meerzeit erlebbar machen. Bitte beten Sie mit, dass Jesus Menschen beruft, die einen Ort mitgestalten, an dem andere ihm begegnen können. Für die Saison 2026 steht fast alles. Wir freuen uns sehr, dass wir einen neuen Koch im Team haben – denn, wenn das Essen stimmt, dann stimmt ja bekanntlich auch der Urlaub. Danke für alles Mitbeten und Mittragen unseres Gästehauses. Danke, wenn Sie das weiter tun – und unseren Bau begleiten: im Gebet, im Geben und gern auch als unser Gast. Herzlich willkommen im Haus Königseck!
P.S. Für den Sommer planen wir einen Blickpunkte-Extra. Darin möchten wir den Bau genauer vorstellen und erzählen, wie Sie uns ganz konkret beim Bauen unterstützen können.
Die ersten Schritte im neuen Jahr sind gegangen und einige Wege liegen bereits hinter uns. Hildegard von Bingen empfahl: „Wisse die Wege, erkenne deinen eigenen Weg durch die Welt zu Gott hin.“
Mich erinnern diese Worte an die biblische Geschichte von Matthäus im 2. Kapitel, Vers 1 und folgende. „Siehe, da kamen Sterndeuter aus dem Orient nach Jerusalem.“ Die Sternkundigen hatten nicht nur offene Augen und wache Sinne im Blick auf das Geschehen am Himmel, sondern sie erkannten das Zeichen der Zeit ein neuer König ist geboren. Die Reise in ein unbekanntes Land, die Strapazen und Unwägbarkeiten unterwegs hielten sie nicht zurück. Koste es, was es wolle, sie brachen auf, in der Hoffnung den König zu nden und ihn anzubeten. Nicht immer war der Weg eindeutig und der Leitstern klar erkennbar, da fragten die Weisen, wo der neugeborene König zu nden ist. Sie bekommen Antwort und gelangen an ihr Ziel. Ihre tiefste Sehnsucht wurde gestillt, als sie das Kind gefunden hatten und ihm die Ehre gaben. Ihre Geschenke Gold, Weihrauch und Myrrhe waren Ausdruck echter Dankbarkeit. Sie hätten das nicht erlebt, wenn sie nicht losgegangen wären.
Lassen wir uns doch durch die Sterndeuter einladen und ermutigen, im Vertrauen auf Gott das neue Jahr zu erobern. Indem wir Gott bitten um innere und äußere Wachheit, die Zeichen unserer Zeit zu erkennen. Herausforderungen und Anstrengungen nicht zu scheuen, sondern mit Ausdauer und Durchhaltevermögen auf dem Weg des Glaubens bleiben. Und wenn wir nicht mehr weiterwissen? Dann ist fragen eine echte Hilfe. Gott hat jederzeit für uns ein offenes Ohr sowie ein Herz voller Liebe und oft stellt er Menschen an unsere Seite, die für uns beten, die uns begleiten und in ihrem Reden richtungsweisend sind. Auf dem Weg durch das Jahr 2026 hält Gott für uns manchen Segen bereit.
So wünsche ich Ihnen Mut und Zuversicht, ihn zu suchen und zu entdecken.
Das Diakonissen-Mutterhaus in Elbingerode ist eines der sakralen Werke, die im Sinne des Bauhauses entstanden
Das Bauhaus feiert sein 100-jähriges Bestehen: Am 1. April 1919 wurde in Weimar das von Walter Gropius gegründete „Bauhaus“ eröffnet, eine Hochschule für Gestaltung. In der Folgezeit wurden von Baumeistern und Künstlern auch zahlreiche sakrale Werke im Sinne des Bauhauses geschaffen. Der Kunsthistoriker Klaus-Martin Bresgott beschreibt das Diakonissen-Mutterhaus in Elbingerode, das zwischen 1932 und 1934 nach den Plänen von Godehard Schwethelm entstand.
Ich erinnere mich meiner ersten Besuche in Elbingerode als Kind: Alljährlich, spätestens zur Adventszeit, machte sich die Gemeinde mit einem Bus von der Teufelsmauer aus auf den Weg hoch hinauf in den Harz zu den Neuvandsburger Diakonissen nach Elbingerode. Wie cool war das dort: ein Wohn-Krankenhaus wie ein Schiff mit richtiger Kommandobrücke für den Kapitän. Und noch cooler: eine Kirche wie ein Kino und mit Essensdüften, die pünktlich auf halber Strecke die Wände entlang krochen und das Ende leidlich langer Gottesdienste in Aussicht stellten. Aber am allercoolsten: ein Schwimmbad. Ein richtiges Schwimmbad! Direkt unter der Kirche! Wo geht denn so was? Und wo gibt’s so was? Nur hier: im Diakonissen-Mutterhaus Neuvandsburg in Elbingerode. Oben im Harz, unweit des Brockens. In den Siebzigerjahren bedenklich nahe am Westen. Im Winter immer mit viel Schnee. Dann dampfte das Hallenbad wie eine heiße Quelle.
Elbingerode: ein ideenreicher und jung gebliebener Bau
Viele Jahre, eine Wiedervereinigung und ein großes Architekturjubiläum später, erkenne ich alles wieder – und welches Wunder: Die Kinderwelt ist nicht kleiner und überschaubarer geworden, nichts hat sich relativiert, nichts gehört auf den Kompost der Zeit und der Ernüchterung. Im Gegenteil: Vor mir steht ein ideenreicher und jung gebliebener Bau voller Raffinesse und fantasievoller Kühnheit. Das betrifft das Haupthaus mit seiner hervorlugenden Kommandobrücke ebenso wie die hirschgleich auf ihren Läufen ruhend daliegende Kirche und diesen doppelten Quell des Lebens unter ihr: das Schwimmbad. Ein erfrischendes Wasser. Es ist noch immer unglaublich und begeisternd: Eine Kirche mit Schwimmbad. Nicht zufällig neben-, sondern gezielt übereinander. Stockwerkweise Sport und Gebet. Ein Ort der Konzentration für Körper und Seele. Ein ganzheitlicher Organismus.
Künstler gestalten Bild einer explosiven Epoche
Wann wurde je so frei gedacht und gebaut? Und wer denkt und baut so? Die Jahre der Weimarer Republik sind eine aus der „Welt von gestern“ erwachsende Zeit voller Neuanfänge – vor allem in der Kunst ist es eine Zeit dringlich ersehnter und konsequent genutzter Freiheit. Schon seit den 1890-er Jahren waren die Kunstakademien als tot und verstaubt empfunden worden und mit den vielerorts gegründeten Secessionen konfrontiert. Die Dadaisten öffnen das brodelnde Fass kompromisslos und endgültig. Jetzt gibt es kein Halten mehr. Im Bereich der Malerei ist die Dresdner Künstlergruppe „Die Brücke“ mit Karl Schmidt-Rottluff und Emil Nolde Wegbereiter des Expressionismus, der sich in der Münchner Vereinigung „Der Blaue Reiter“ mit Wassily Kandinsky und Franz Marc kraftvoll Bahn bricht. Die „Kölner Progressiven“ und die „Novembergruppen“ vereinigen neben Malern und Grafikern wie Otto Dix, Otto Freundlich und Heinrich Hoerle auch Designer wie Marcel Breuer, Komponisten wie Hanns Eisler, Schriftsteller wie Joachim Ringelnatz und Architekten wie Bruno Taut. Sie alle stehen nach der Auflösung der epochal gebundenen Form für eine neue Gestalt und zeichnen in ihrer individuell höchst unterschiedlichen, gleichwohl gemeinsam drängenden Herangehensweise das Bild einer Epoche, deren Explosivität mit Händen zu greifen ist. Gerade die Bildenden Künste offenbaren eine nach dem Ersten Weltkrieg bis ins Innerste verletzte und verlorene, dadurch aber auch radikal offene, die nationalen Grenzen endgültig sprengende und zu Veränderungen bereite Generation auf der Suche nach einer neuen Wesentlichkeit.
In der Architektur ist es die Zeit der Gründung des „Deutschen Werkbundes“, des Architektenbundes „De Stijl“ und des legendären Bauhauses. Von der Sowjetunion her bricht sich der Konstruktivismus Bahn und findet international große Beachtung. Auch der Expressionismus drängt sich selbstbewusst in das Erscheinungsbild der Städte. Architektenvereinigungen wie „Der Ring“ mit Hans Scharoun treten aktiv für neues Bauen ein. Erich Mendelsohns Einsteinturm in Potsdam, Walter Gropius’ Bauhausgebäude für das interdisziplinäre, von akademischer Tradition losgelöste künstlerische Miteinander in Dessau, Fritz Högers Chilehaus in Hamburg, Ludwig Mies van der Rohes Barcelona-Pavillon für die Weltausstellung 1929 und Rudolf Bartnings Auferstehungskirche in Essen erregen Aufsehen und schreiben Architekturgeschichte.
Wunsch nach befreiender Sachlichkeit
Die Entwicklung, die diese Bauten kennzeichnet, bezeugt deren Pioniergeist und den Wunsch nach befreiender Sachlichkeit. „Form Follows Function“ steht über der Forderung nach funktionaler Schlichtheit, die einer der ersten Hochhausarchitekten, Louis Sullivan, schon 1896 vertritt. 1910 erregt Adolf Loos mit seinem Vortrag „Ornament und Verbrechen“ großes Aufsehen und gibt dem Jugendstil und seinem kunsthandwerklichen Schmuckbedürfnis den Todesstoß. Mit „Weniger ist mehr“ – „Less Is More“ verlangt schließlich Mies van der Rohe nachdrücklich eine Reduktion auf das Wesentliche. Hier haben endlich die Platz, denen die unbedingte Konsequenz Bedürfnis ist – sei es Rudolf Schwarz in seiner radikalen Reduktion, Otto Bartning, der mit seiner futuristisch-technischen Eleganz langfristig zum erfolgreichsten Kirchenbauer des Protestantismus nach Friedrich Schinkel wird, oder auch Godehard Schwethelm mit seiner komplexen Funktionalität, die er in Elbingerode unter Beweis stellt.
Godehard Schwethelm: Vertreter des neuen Bauens
Er vertritt das Neue Bauen, den unbedingten Willen zur Funktionalität und Nüchternheit. Das ist nicht nur mit industriell anmutenden Konstruktionsschemata gleichzusetzen, auch kann man nicht einfach das Etikett Bauhaus darauf kleben, das mit seinem ausgewogenen Verhältnis kubischer Bauformen, kontrastierenden Rundungen, horizontalen Fensterbändern und Flachdach nur eine Facette des Neuen Bauens abbildet. Neues Bauen hat neben dem Bauhaus genauso die Gesichter des Neuen Frankfurt und der Neuen Sachlichkeit, deren erste Bauten bereits mit der Gründung des „Werkbundes“ einhergehen. Hier werden zum ersten Mal in Deutschland die gläsernen, vom Tragwerk des Baus losgelösten Vorhangfassaden genutzt, deren berühmteste 2019 das Bauhausgebäude in Dessau trägt. Der Stil dringt stark in den öffentlichen Bau vor. Viele Büro- und Industriebauten entstehen. Die junge sozialdemokratisch geführte Weimarer Republik investiert wie nie eine Regierung zuvor in den modernen sozialen Wohnungsbau und ermöglicht richtungsweisende Großsiedlungen wie das Jacobsenviertel in Erfurt oder kommunale Sport- und Gemeinschaftshallen wie die Halle „Land und Stadt“ in Magdeburg. Verschiedenste Bauten – ob Fabrikhalle, Elektrizitätswerk, Flugzeughalle oder Wohnhaus – entstehen gleichzeitig in funktional ausgerichteter Ähnlichkeit.
Das beflügelt auch den Kirchenbau und gibt den neuen Ideen und dem Ruf nach einem neuen Pathos Auftrieb. Beispielhaft für die verschiedenartigsten Umsetzungen stehen hier Architekten wie Hans Voigt, Rudolf Schwarz, Bruno Brüdern, Hans Hertlein, Otto Bartning und eben Godehard Schwethelm. Sie alle bauen funktional gestaltete Räume, die sich an den neuen Bedürfnissen orientieren. Ihre Bauten öffnen sich dem Licht und stellen richtungweisende Möglichkeiten vor, das „Pathos der Profanität“, wie es sich Paul Tillich wünscht, gegenwärtig sein zu lassen. Klare, meist kubische Raumformen, der Wechsel ruhiger, geschlossener Wandflächen mit Lichtbändern, die neben dem Tageslicht auch eine transparente Verbindung mit der Umgebung herstellen, sind entscheidende Merkmale dafür. Sie schaffen jenen sakralsäkularen Charakter, den eine neue Gemeindekirche ausmachen und sie als ein funktional nüchternes Gebäude des alltäglichen Lebens überzeugend in dessen Mitte stellen soll.
Dynamische Formen
Wie setzt Godehard Schwethelm diese Inspirationen seiner Zeit um? Das Haupthaus lässt er als einen fünfgeschossigen Stahlskelettbau mit Spaltklinkerverblendung erstehen. Der Eingangsbereich mit dem rund ausschwingenden, kanzelartigen Segment im ersten Stock – der Kommandobrücke, das Treppenhaus und der Säulengang im rückwärtigen Erdgeschoss – sind durch dynamische Formen und farbige Klinker hervorgehoben. Dieser Farb- und Materialwechsel zwischen den hervorgehobenen Bauteilen samt der Verkleidung der Säulen mit Klinkern in klassisch roten Brandfarben markiert einen ausdrucksstarken Gegensatz zu der beige-marmorierten Farbigkeit des Hauptgebäudes. Er zeichnet ein stimmig-wirkungsvolles Bild der handwerklichen und ästhetischen Ansprüche dieser architektonischen Richtung. In Verbindung mit der auf das Wesentliche reduzierten, funktionalen Formensprache hat man einen exemplarischen und gleichermaßen individuellen Bau dieser Epoche vor Augen. Einen Bau, der deutlich macht, dass es keine Reinform eines Stils mehr gibt und sich statt dessen der Personalstil mit individuellen Ausprägungen durchsetzt, der Anleihen nimmt, Überzeugungen baut, sich aber nie stilistischer Einseitigkeit unterordnet.
Der spannendste Gebäudeteil: die Kirche
An das Hauptgebäude mit klassischem Flachdach schließt L-förmig der spannendste Gebäudeteil an – der zweigeschossige Seitenflügel, die Kirche. Mit ihr bezieht Schwethelm auch bewegte expressionistische Charakteristika mit ein. Sie mündet in einer halbrunden Apsis, der auf erster Geschosshöhe links und rechts zwei schräg ansetzende Rundbauten mit farbigen Fensterbändern angegliedert sind. Die horizontal ruhende Gelassenheit dieser konchalen Rundbauten erdet auch den Chorraum zwischen beiden, der durch das steil aufragende Fenster eigentlich stark vertikal orientiert ist. Der gesamte Abschluss dieses Gebäudes wirkt in seiner harmonischen Staffelung ideenreich expressiv, dabei sachlich selbstbewusst und repräsentativ.
Zwischen den beiden vorgesetzten Rundbauten öffnet sich in Verlängerung des Chorraums ein Balkon, unter dem eine Treppe in das Untergeschoss führt. Die Freitreppe links und rechts neben ihm führt von außen hinauf in den Kirchensaal. Der mit seinen beidseitig eingeschossigen Anbauten basilikal anmutende Kirchenraum ist lichtdurchflutet und durch die Bestuhlung, die es bereits seit der Erbauungszeit gibt, flexibel nutzbar. Seinen sakralen Charakter erhält der Saal durch die Fensterbänder in den Obergaden, die in dezent expressiver Formensprache und auf blauer Grundfarbe basierend von Elisabeth Coester (1900–1941) gestaltet worden sind. Es ist eine wirkungsvolle, von Engeln durchwirkte Arbeit, die dem ganzen Raum spirituelle Leichtigkeit und Flügel verleiht. Das Werk der in Wuppertal ausgebildeten Glaskünstlerin und Paramentikerin findet sich in teilweise wesentlich expressiverer Formensprache unter anderem in den Glasfenstern der St. Nicolai-Kirche in Dortmund, der Hauptkirche St. Nikolai in Hamburg-Harvestehude und der Johanneskirche im westfälischen Hamm.
Das Rundmotiv von außen ist in Variationen auch für den gesamten, stufig ansteigenden Altarbereich und die Kanzel übernommen. Hier dominieren warme, einhegende Holztöne, die den Innen- mit dem waldigen Außenraum verbinden. Da der Bereich als Bühne konzipiert ist, kann die Kanzel, die wie ein Zitat der Kommandobrücke wirkt, weggeräumt werden. Seit der Erbauungszeit gibt es hier auch eine per Bowdenzug einsetzbare Leinwand für Filmvorführungen. Besonders schließlich ist die unter dem Kirchensaal liegende und bis heute aktiv genutzte Schwimmhalle, die den funktional und auch materialiter in allen Details durchdachten Gesamtbau einmalig macht.
In die Zukunft weisend
Godehard Schwethelm zeigt sich mit diesem Bau nicht nur mit den stilistischen Aufbrüchen seiner Zeit vertraut, sondern auch selbstbewusst genug, sich einer konsequenten Bindung an eine Richtung zu entziehen. Er folgt der kühnen Strenge des Neuen Bauens und des Bauhauses, er nutzt die lebendigen Formen und Farben des Expressionismus. Vor allem aber baut er eine eigene, auf das Lebensprojekt der Diakonissen abgestimmte und in der sakralsäkularen Ausrichtung in die Zukunft weisende Idee. Nur eins vermissen die Diakonissen bis heute, was der kleine Junge damals schon gern gehabt hätte: Einen Knopf für eine Klappe am Boden der Kanzel, mit dem man Predigern bei gar zu ausschweifendem Parlieren zu einem frischen Bad im Untergeschoss verhelfen kann.
Im April 2019 erscheint bei Parkbooks, dem Schweizer Verlag für europäische Architektur: Klaus-Martin Bresgott: Neue Räume der Spiritualität – 100 Kirchen der klassischen Moderne. Ein Bildband mit weiterführenden Beiträgen von Klaus-Martin Bresgott, Andreas Hillger und Johann Hinrich Claussen.
Bereits erschienen und zu empfehlen: Andreas Hillger: Gläserne Zeit. Ein Bauhaus-Roman. Osburg-Verlag, Hamburg, 2013, 238 Seiten, 14 Euro.